Klesha

Die Klesha werden im Yoga Sutra (ein wichtiger Grundlagentext) beschrieben. Es sind Kräfte, welche in uns wirken. Sie beeinflussen unser Denken und Handeln. Ihre Wirkung ist mal stärker mal schwächer. Sie sind ein Grund warum wir leiden, Leidverursacher.

Eine von diesen Kräften ist „drängendes Verlangen/Gier" (Raga). Wir wollen etwas unbedingt haben. Zum Beispiel die schöne Halskette im Schaufenster. Wir sind unzufrieden, wenn wir sie nicht kaufen können, weil wir denken dass sie uns glücklich machen würde. Es kann sein, dass wir uns die Kette kaufen, aber sie sehr bald in unserer Schublade liegen bleibt. Das was wir uns von ihrem Kauf versprochen haben, erfüllt sich nicht oder nur ganz kurz. Jetzt sind wir möglicherweise aus demselben Grund auf ein neues Schmuckstück in der Auslage fixiert.

Diese Verbindung „Schmuck macht mich glücklich" ist irgendwann entstanden. Vielleich aus einem Erlebnis, als ich ein Schmuckstück geschenkt bekommen habe und dadurch tiefe Freude erlebt habe. Das Problem ist nun die fixe Verbindung „Schmuck bekommen = Glück erleben" Denn wie beim Beispiel oben ist dies eine falsche Annahme, dies trifft nicht immer zu. Wir haben dieses Erlebnis falsch Verstanden (Avidya).

Das falsche Wissen (Avidya) von Dingen und Menschen ist die Hauptkraft der Leidverursacher. So wie ein positives Erlebnis eine falsche Verknüpfung ergeben kann, geschieht dies auch mit negativen. Dann entsteht „unbegründete Abneigung" (Dvesha), wir wollen etwas nicht haben, weil es uns ein unschönes Erlebnis erinnert. Falsches Wissen können wir auch über uns selber (Asmita) haben zum Beispiel, wenn wir uns ständig über- oder unterschätzen. Wenn wir Angst haben etwas zu verlieren (Abhinivesha), sei es ein lieber Mensch, ein Gegenstand oder gar unser Leben, wirkt eine weitere dieser Kräfte.

falsches Wissen = Avidya
˪ falsches Verständnis von uns selber = Asmita
˪ drängendes Verlangen = Raga
˪ unbegründete Abneigung = Dvesha
˪ tiefsitzende Angst (vor dem Tod) = Abhinivesha

Das Yoga Sutra schlägt vor, wie wir mit diesen Kräften umgehen können. Wenn sie scheinbar nicht vorhanden sind, sollen wir wachsam sein, sie können jederzeit wieder aktiv werden. Diese Zeit können wir nutzen ein Klesha besser zu verstehen und den Ursprung zu klären. Haben wir ein Klesha in Aktion identifiziert, ist es wichtig innenzuhalten und über die Situation nachzudenken. Jedes Mittel das hilft Abstand zu gewinnen, ist geeignet (Gespräch, Ablenkung...). Dies lässt uns Zeit die Situation neu zu überdenken. Hilfreich ist es auch Klesha-Prävention zu machen mit Yoga üben. Dies macht unseren Geist stabiler/unsere Gedanken ruhiger, dann kann unsere Fähigkeit vollständig zu verstehen zum Vorschein kommen. Wir nehmen bewusster wahr und die Leidverursacher (Klesha) werden abgeschwächt oder ganz zur Ruhe gebracht.